5. Miriquidi – Der 24 Stunden Skilanglauf ohne Grenzen 06.02. – 07.02.2015, Zinnwald-Georgenfeld

Orkanartiger Sturm zwang die Organsiatoren zur Beendigung des Extremskilanglauf nach 18,5 Stunden. Die Stimmung war trotzdem bestens.

Zum 5. Mal war es am Wochenende 07./08.02.2015 wieder soweit, der 24-Stunden-Skilanglauf konnte starten. Nachdem in 2013 und 2014 aufgrund akuten Schneemangels das Rennen noch abgesagt werden musste, war der Wetter- bzw. der “Schneegott‘ den Veranstaltern 2015 gewogen und es gab ausreichend Schnee auf der Strecke.

Anmelden konnte sich für den Lauf Jedermann. Der Andrang auf die begehrten Startplätze war gewaltig. Dieser Herausforderung stellten sich 2015 insgesamt 220 Starter, davon 20 Einzelkämpfer, 18 Zweierteams und 41 Viererteams.


Eine Herausforderung war auch die Organisation. Veranstalter SV Zinnwald sowie das Org.team um Frank Meutzner und den KV Rohnspitzler haben ein Jahr lang dieses besondere Sportevent vorbereitet. Auf dem ehemaligen Zollgelände in Zinnwald wurde die alte LKW-Halle zur Starterhalle umfunktioniert, Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen und eine neue Wettkampfstrecke abgesteckt. Neben Übernachtung und Verpflegung für alle Starter von Freitag bis Sonntag gehören auch Zeitmessung, Streckenabsicherung, Siegerehrung und viele weitere Kleinigkeiten zu den Aufgaben der Organisationskomitees.


Für die Realisierung eines derartigen Projekts ist neben dem persönlichen Einsatz der Organisatoren und zahlreicher Helfer auch die Unterstützung einer Vielzahl von Sponsoren erforderlich. So stellt z. B. die Stadt Altenberg das ehemalige Zollgelände zur Verfügung, die Firma Rohrbau Lange aus Dresden und Elektro Dresden West unterstützten das Org.team bereits ab Donnerstag morgen bei Vorbereitungen. Neue Wasser- und Stromanschlüsse wurden eigens für das Event gelegt und ein riesiges Starterzelt errichtet.


Am 7.Februar 10:00 Uhr konnte dann Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten pünktlich den Startschuss zu Deutschlands ersten und bislang einzigen 24 Stunden Skilanglauf im osterzgebirgischen Zinnwald geben. Bei herrlichem Sonnenschein machten sich die 79 Teams im klassischen Stil als Einzelstarter, Zweier- oder Viererteams auf die 6,1 km lange Runde, um so viel wie möglich Kilometer in den nächsten 24 Stunden zu laufen.


Vom Hobbyläufer bis zum ehemaligen Leistungssportler, mit dabei u.a. auch der erste deutsche Weltmeister im Biathlon, Dieter Speer in einer Vierermannschaft sowie ein Team der MDR-Sendung BIWAK waren alle Fraktionen vertreten. Die Herangehensweise waren dabei für jeden unterschiedlich. Ging es bei den Einen um die schnellsten Zeiten und meisten Kilometer, so ging bei Anderen um das Durchhalten überhaupt.


Zum Abend nahm aber der Wind am Erzgebirgskamm dramatisch zu und die Bedingungen verschlechterten sich stündlich. Nach Mitternacht entlud sich dann ein Wintersturm mit Gewitter und Sturmböen über 100 km/h, so dass die Sicherheit der Läufer und Helfer nicht mehr gewährleistet werden konnten. Die Veranstalter entschlossen sich schweren Herzens, das Rennen nach ca. 18,5 h abzubrechen und die bis dahin gelaufenen Runden als Endergebnis zu werten.


Und diese Ergebnisse sind beachtenswert. So lief Ralf Große / psv Zittau, der Sieger bei den Einzelstartern, herausragende 250,1 km in den 18,5 h (das sind mehr Kilometer als der Sieger in 24 Stunden 2011 erreicht hat) gefolgt von Falk Schneider / BSG Talfreunde mit 176,9 km und Stephan Quandt / Querläufer 158,5 km. Die erfolgreichste Einzelstarterin war Christiane Grammlich / Bergwacht Großenhain mit 152,5 km.

Das beste Zweierteam „Stockfisch“ absolvierte 46 mal die 6,1 km lange Runde. Das sind 280,6 km. Platz zwei belegte das Team „Die Ostsee-Umrunder“ mit 256,2 km gefolgt von „Globetrotter 2.0“ mit 250,1 km. Das beste Frauenzweierteam „Freundinnen des Ruhepulses“ fuhr 219,6 km.


Das schnellste Viererteam “SC Monte Kaolino Hirschau” brachte es auf 317,2 gelaufene Kilometer. Platz 2 belegte das Team „WähRich“ mit 311,1 km vor der „SG Adelsberg“ mit 274,5 km. Das beste Frauenviererteam „endLOS“ fuhr 250,1 km.

Die schnellste Runde lief Michael Fochtner vom Siegerteam “SC Monte Kaolino Hirschau” in 18,04 min. Das entspricht einer Durchschnitts-geschwindigkeit von 20,26 km/h.

Den Preis für das beste Kostüm gewann das Team “Ski-Schna-Schnappi”. Trotz des notwendigen Abbruchs des Laufes kann die Veranstaltung als gelungen bewertet werden, viele positive Rückmeldungen der Starter unterstreichen dies. Der MDR Sachsenspiegel berichtete über das Event.


Die Veranstaltung wurde von der „Stadt Altenberg“ und dem „DRK Landesverband Sachsen e.V., Abteilung Bergwacht Sachsen“ unterstützt. Ihnen sowie den Partnern „Rohrleitungsbau Lange“, “Elektro Dresden West”, „Autohaus Pirna“ „schulz sportreisen“, “Freiberger Brauhaus”, „Globetrotter Ausrüstung”, “Gicon”, “Nautische Instrumente Mühle Glashütte „Bergsichten-Festival Dresden“ und den vielen Helfern möchten die Organisatoren herzlich danken. Ohne deren Engagement wäre die Durchführung dieses Laufereignisses nicht möglich.

Auf Grund des großen Organisationsaufwandes hatten sich die Organisatoren bereits 2009 entschieden, den Lauf aller zwei Jahre durchzuführen. Der 6. Miriquidi ist somit für den Januar 2017 geplant. Als Termin ist der 4.-5. Februar vorgesehen. Momentan laufen dazu Gespräche mit der Stadt und den Behörden.


Zwei Teilnehmerberichte

Im folgenden könnt Ihr zwei Berichte zum Lauf lesen. Vielen Dank dafür an Elisa Neelmeijer vom Helferteam und Thorsten Kutschke vom Biwakteam sowie an Michael Bährisch vom Globetrotter 2.0 Team.


Miriquidi 2015 – Die Natur hat das letzte Wort von Elisa Neelmeijer und Thorsten Kutschke

Betrachtet man die rein namentliche Bedeutung so kommt der Begriff Miriquidi aus dem lateinischen und steht für Dunkel- oder Finsterwald, für viele Wintersportler allerdings heißt Miriquidi einen 24 Stunden Skilanglaufwettkampf im klassischen Stil zu bestreiten.

Nachdem das Miriquidi-Team um Frank Meutzner und die K.V. Rohnspitzler den 24 Stunden Ski-Langlauf wegen Schneemangels in den letzten 2 Jahren absagen musste, war es am 7. Februar 2015 endlich wieder soweit: beste Schneebedingungen und blauer Himmel lockten 250 Wintersportler als Einzelstarter, Zweier- und Viererteams auf die rund 6 km lange Wettkampfstrecke rund um die Scharspitze in Zinnwald. Als Wettkampfzentrum wurde den Organisatoren das Zollgrenzgelände im Erzgebirge zur Verfügung gestellt, welches mit viel Aufwand in zwei Tagen vor Veranstaltungsbeginn zu einem gemütlichen Aufenthaltsort für alle Beteiligten umfunktioniert wurde. In den letzten Jahren wurde in den BIWAK-Sendungen des MDR umfangreich über dieses Event berichtet, diesmal hat sich das Team um Thorsten Kutschke selbst auf die Skier gestellt, um eigenen Erfahrungen zu sammeln:


“Damit fällt ja als „Ausrede“ schon mal so was weg wie „wir haben ja nicht gewußt, worauf wir uns da einlassen“. Und doch stimmt das, denn dass ein 24-Stunden-Lauf mit ständigem Wechsel im Team etwas gänzlich anderes ist als ein Vasaloppet oder ein Isergebirgslauf, eine Finnland-Durchquerung oder 7 Tage Ski-Einsamkeit auf dem polaren Kungsleden, das haben wir mindestens geahnt – und nun leibhaftig zu spüren bekommen.
Also auf ins Getümmel – und die erste Erkenntnis: Das ist hier nicht NUR Volkssport! Als an der Spitze die Post abgeht, überlege ich kurz und tröste mich… „Stimmt ja, an diesem Wochenende hat der Langlauf-Weltcup Pause!“ Also: das eigene Tempo finden, nicht verrückt machen lassen – immer vor Augen haben, dass wir diese 6,3-Kilometer-Runde wieder und wieder laufen müssen – 24 Stunden lang! Drehwurm-Gefahr? Nein – viel zu abwechslungsreich! Die Gespräche unterwegs, die wilden Kurven, die Motivations-Sprüche von Peter John an der Schutzhütte unter der Scharspitze (Komm DU mir nochmal in Adersbach vor die Kamera!!!!) und dann: der lange, der elende, der quälende Anstieg… 1,2 Kilometer lang, knapp 120 Höhenmeter! Dieter Speer hat ihn mit einem GPS-Gerät ausgemessen – der „alte Haudegen“, über 70 inzwischen und im Osterzgebirge eine Legende! Der erste Deutsche, der bei einer Biathlon-WM aufs Podest rannte – gut 40 Jahre ist das her. Damals wurde auch im Biathlon noch „klassisch“ gerannt, und der Dieter kann klassisch – natürlich! ER schnurrt im Diagonalstil den Berg hinauf, 12 Uhr Mittags genauso wie kurz vor 18 Uhr abends. Alles noch Spaß, so haben uns die Organisatoren „gedroht“ – und sie sollten Recht behalten… Als es dunkel wird, kommen die Stirnlampen auf die Skimütze – eine tolle Erfahrung, so ganz einsam im Wald. Denn inzwischen hat sich das Feld gut verteilt auf der Schleife. Wir laufen als – schlecht trainiertes! – Biwak-Team einen Zwei-Runden-Rhythmus, und: Wir müssen korrigieren. Als es auf Mitternacht zugeht, also nach knapp 14 Stunden, wird die zweite Runde für jeden von uns ein verdammt hartes Brot – wir specken ab, nunmehr soll jeder eine Runde laufen.
Dass wir nicht wirklich abspecken, das haben wir mehr als 50 freiwilligen Helfern zu verdanken, die diesem Event genauso seinen einmaligen Charakter bescheren wie die sportliche Herausforderung. Wir können uns – warum wohl? – gar nicht tief genug mehr verbeugen vor den Mädels und Jungs hinter den Kochtöpfen, draußen an der Strecke und im Wechsel-Raum. Deren aufopferungsvoll-freudvolles Tun ist genauso eine tolle Erfahrung wie die am eigenen Leib: Erstaunlich, was der Körper zu leisten imstande ist, wenn der Kopf es nur will!
Was ich gar nicht will… ist aufstehen, aus dem Schlafsack kriechen mit Mezut-Özil-Augen früh um vier – aber ich bin dran, soll – nein, muss! – wieder raus in die Loipe. Schnell noch eine Schicht Swix-Violett auf die Bretter, verkorken – und ab in Richtung Wechsel-Garten. Ein paar „Spaßvögel“ kommen mir entgegen und rufen: „Leg Dich wieder hin, das Rennen ist beendet!“ – haha, toller Scherz. Dann: RRRRRums! Ein Gewittergrollen das sich anfühlt, als würden wir grad Kap Hoorn umrunden – und ein Schneesturm dazu, als würde ich im Winter auf dem Kamm der Hohen Tatra herumtaumeln. Es ist Tatsache – die Organisatoren haben das Spektakel abgebrochen. Froh sein oder traurig? Dafür ist kein Platz im Kopf – erst mal einen Kaffee trinken in der warmen Verpflegungs-Halle und zweierlei Dinge durch den Kopf gehen lassen: Erstens haben wir zu viert 216 Kilometer geschafft (und uns mit Müh und Not, aber erfolgreich, von der „Roten Laterne“ fern gehalten; zweitens: wir waren dabei – aber um 24 Stunden wirklich zu erleben… müssen wir wohl oder übel 2017 noch einmal die Bretter „flott machen“, und uns selbst auch. Das ist kein Versprechen! Aber eine lebhafte Vermutung. – Bis dahin, vielen Dank an alle, die so ein einzigartiges Erlebnis ermöglicht haben!”
Thorsten Kutschke

In 3-6h Schichten unterstützten viele Freiwillige die Organisatoren bei der Durchführung des Miriquidi. Sie sorgten für die Sicherheit der Teilnehmer, sowie für die Rundumverpflegung der Starter, Helfer und Besucher. Auch wenn der Schlaf dabei sehr kurz kam, die Helfer waren mit Begeisterung dabei und freuen sich schon auf den Miriquidi 2017:

„Als Neuling war ich begeistert von der Freundlichkeit, dem Engagement und der Zusammenarbeit aller Helfer. Es war toll zu sehen, wie alle an einem Strang gezogen haben, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten. Es war ein gutes Gefühl dabei zu sein.“ (Kerstin Ehrt)

„Ich war als Streckenposten und für die Überwachung der Straßenüberquerung verantwortlich. Kurz vor 4 Uhr früh, als der Schneesturm am heftigsten tobte, war es nicht nur wichtig die Teilnehmer vor vorbeifahrenden Autos und Räumgeräten zu warnen, sondern sie auch mit ein paar Worten zum weitermachen zu motivieren. Trotz Kälte und Wind hatte ich viel Spaß und möchte in 2 Jahren auf jeden Fall wieder dabei sein.” (Raphael Milde)

Beeindruckend waren die Leistungen in der Küche. 2 Köche und ein umfangreiches Helferteam verarbeiteten rund 500 Brötchen, 60 Brote mit 15kg Wurst und Käse und 10kg Butter, 85kg Nudeln mit 40l Gulaschsoße und 50l Tomatensoße, 60kg Äpfel, 90kg Bananen, 45kg Kuchen, 1.000 Liter Tee und 60l Orangensaft. Eine Babywanne voll selbstgemachtem Stracciatella-Joghurt-Quark mit Kirschen und ein etwa 30 Liter Topf mit heißem Grießbrei versüßten allen Teilnehmern die Nacht.

Nach 18,5h fand der Miriquidi leider ein abruptes Ende: So schön wie der Tag begonnen hatte, so schnell wechselte das Wetter am Abend. Sturmböen von bis zu 100km/h, herunterfallende Äste, spiegelglatte Straßen und verwehte Loipen machten eine Weiterführung der Veranstaltung zu unsicher ohne die Gesundheit der Teilnehmer und Helfer zu gefährden. Um 4:30 Uhr wurden die letzten Starter von der Strecke geholt. Der Trost: ein paar Stunden Nachtruhe, bis sich alle um 9:00 Uhr zum Frühstück und zur Siegerehrung versammelten.



7./8. Februar 2015: Miriquidi oder auch 24 Stunden – wie viele Runden? von Michael Bährisch

7./8. Februar 2015: Miriquidi oder auch 24 Stunden – wie viele Runden?
Um es gleich vorweg zu nehmen: 24 Stunden sind es nicht geworden. Satte 18,5 Stunden haben wir gekämpft, taktiert, Wunden geleckt und vor allem mit unserer Disziplin gerungen. Danach war Schluss. Grund für die Verkürzung des Rennens war heftiger Wind, den man in Spitzen getrost als Sturm bezeichnen kann, einhergehend mit starkem Schneefall und einem Blitzschlag morgens gegen 4.30 Uhr!
Aber von vorn:

Genau vor drei Jahren meldete ich mich mit meinen drei Sportskollegen aus dem Globetrotter zum Lauf an. Die Geschichte, dass der Lauf erst im dritten Anlauf stattfinden konnte wie auch die vom geschmolzenen Schnee kennt ihr selbst. Selbst in diesem Winter wollte keiner so recht an eine Durchführung glauben. Nachdem sich der Winter um den Jahreswechsel noch einmal aufbäumte, schmolz doch wieder alles dahin. Wirklich fast alles! Bei einer Schneeschuhtour an einem Wochenende Mitte Januar überzeugte ich mich selbst von grünen, saftigen Wiesen und blauem Himmel auf den Höhenzügen des mittleren Erzgebirgskamms. Wo sollte der ganze Schnee nur auf einmal herkommen? Die Motivation zum Training war geringer denn eh und je. Milde lächelten wir Sportkameraden uns gegenseitig an und frotzelten über alternative Sportarten wie Feldhockey oder Schach. Letztere Sportart birgt im Grunde nur Vorteile: keine stinkenden Sportsachen mehr, Wetterunabhängigkeit …

Plötzlich war es soweit. Keiner wollte es glauben, wirklich keiner, wenn ich die Skis ins Auto packte und ein Wochenende vorm Miriquidi meinte, dass die Bedingungen „oben im Gebirge“ richtig gut wären. Der RCS wurde ausgepackt und mit Swix blau (!) ging es zum Training ab in die Loipe. Ja, es gab sogar eine Loipe und ich sah mir mal die Scharspitzenrunde an. „Das sollte gehen, die liegt mir, auch über 24 Stunden, wenn’s sein muss, abgesehen von den Kurven. Und außerdem habe ich Kraft!“ Meinte ich. Die Logik war einfach. Drei Dinge waren zu tun: 1. runterfahren (= gut wachsen), 2. schieben (= immer noch gut wachsen), 3. diagonal hochlaufen (= ebenso gut wachsen). „Klingt doch alles ganz einfach!“ Am Montag in der Wettkampfwoche ging’s dann schnell noch auf die erste größere Skirunde diese Saison überhaupt: Zinnwald – Flaje – Dlouha Louka und zurück. In gut drei Stunden war die Sache erledigt.

Bleibt noch zu sagen, dass wir eingangs zu viert gemeldet waren. Nun waren wir derer nur noch 2! Mit „Papa“ als Teampartner sollte da nix schi(ef) laufen. „Nein, Papa ist nicht mein Vater. Carstens Nachname ist Vater. Deshalb „Papa“. Verstanden?“ Na jedenfalls ist Papa Miriquidi erfahren. Immerhin startete er schon einmal im 2er-Team und einmal allein. Ja, allein! Und gewonnen hat er da auch noch. „Na wenn ich älter bin, nehme ich das auch noch in Angriff .. ? Nee, 24 Stunden gehe ich bestimmt nicht allein Ski laufen.“

7. Februar, 6.00 Uhr
Der Wecker klingelt. Meine liebe Freundin steht mit auf, da sie ebenfalls einen 24 Stunden Marathon vor sich hat, allerdings im Helfer-Team. Mitgelaufen ist sie ja schon, im 2er-Damenteam, und hat auch noch gewonnen. Na das nur so am Rand. Ich bin jedenfalls stolz auf sie. Kurz darauf tönt um 10.00 Uhr auch schon der Startschuss. Vorher noch schnell Swix blau gewachst und los ging es schon. Alleinstarter, Zweierteams und Viererteams gingen auf die Strecke. Ich schickte den „alten Hasen“ Papa vor und ließ ihn mal machen. Die schnellste Runde von 18 Minuten (!) schaffte er zwar nicht, aber nach ca. 100 Höhenmetern, 6,3 Kilometern und gut 21 Minuten hielt er seinen Transponder schon mal an die Messplatte. Na zum Glück musste ich ja noch nicht. Wir hatten eine „Zwei-Runden-Taktik“ ausgemacht. Heißt, jeder fährt immer zwei Runden und wechselt danach auf den Anderen. Bei blauem Himmel und Sonnenschein startete ich dann also nach knapp 50 Minuten in die erste Runde. „Jetzt nicht überpacen, Rhythmus finden! Wow, der Ski ist gut. Auf der Abfahrt eine Linkskurve, eine Rechtskurve und das Omega.“ Eigens für den Wettkampf wurde eine scharfe Linkskurve radikal entschärft und sogar durch eine Art Kreisel ersetzt, der sich halbwegs fahren ließ, auch für mich (-: ! Danach ging der Ski ab wie Schmidts Katze. Na jedenfalls Doppelstuckschub und auf ging’s über eine laaange Gleitpassage bis der Anstieg kam. Da musste man dann schon mal diagonal fahren – na die meisten zumindest. Zur Überraschung war das Swix blau gar nicht die optimale Wahl, so dass die Arme helfen mussten. „Ruhig Micha. Es ist noch eine Weile.“ Schon hatte auch ich per Handschlag an Papa übergeben. Zwischendurch noch ein violettes Steigwachs aufgetragen, was fortan deutlich besser funktionierte, gegessen und nach zahlreichen Wechseln in den Sonnenuntergang hineingefahren. Irgendwie fühlte sich alles recht gut an. Gegen 18.00 Uhr die Stirnlampe rausgeholt. In der Spur sprach manch einer auch begeistert von einem Scheinwerfer. „Na ja, wenn ich schon todesmutig im tiefdunklen Wald (= Miriquidi) Ski fahre, will ich es doch hell haben. Es freut mich, wenn manchem Skifahrer dadurch mal ein Licht aufging.“ Die Zeit verging und irgendwie war ich nicht böse, dass meine liebe Freundin zwei Mal einen kleinen Skiservice übernahm. Indessen Nudeln gegessen, später Grießbrei – mmh lecker! – und nach 15 Minuten Ruhen auf meiner Isomatte ging’s auch schon wieder raus zum Wechsel auf Papa. Der Wind hat inzwischen aufgefrischt und der Wechselgarten war nur noch wenig frequentiert. Überhaupt sahen alle etwas „verbraucht“ aus. „Ich doch nicht etwa auch?“ Ein Blick auf die Uhr: „kurz vor 1.00 Uhr“. Und schon ging’s vom wärmenden Heizpilz aus dem Startzelt in die Loipe. „Man, die Schiebepassage schiebt sich gar nicht mehr so schön. Und was, nein wer ist das an dem Anstieg? Ein Einzelstarter, der im Doppelstock mit Zwischenschritt nach oben düst?!“ Von Düsen ist bis auf die Verdauung bei mir nicht mehr die Rede. Über Nacht ist der Anstieg erstaunlich steil geworden. „Da haben sich die Rohnis ja wieder mal was einfallen lassen!“. Oben im Wechselgarten pfiff ein scharfer Wind und die Spur war zugeweht. Nach einer noch schwereren zweiten Runde Wechsel auf Papa und wieder zur Verpflegung ins alte Zollgebäude, Grießbrei gegessen, Sachen gewechselt, 15 Minuten geruht und schon wieder Zeit zum Ski fahren. Zugegebenermaßen war ich froh über meine mentale Stärke, denn mit der Kondition war es nicht mehr weit her. Der Wind blies beim Wechsel wie ein Düsentriebwerk und die Brille schützte zum Glück vor beißendem Schnee und tränendem Auge. Leider half die aufgesetzte Brille nicht, die Loipe frei zu blasen. Stumpfer Schnee machte die Schiebepassage zum ersten Anstieg. Der eigentliche Anstieg brannte in Lunge und Oberschenkeln. Einziger Vorteil, den der Neuschnee in der Spur bot, war guter Stieg. „Hoho, wer redet mit mir?“ „Mischka, komm auf geht’s.“ ruft’s neben mir. Während „Luma“ acht Stunden geschlafen hat – oder waren es mehr? – denke ich drüber nach, dass ich nicht viel mehr als 30 Minuten brauchen möchte pro Runde. Puh, geschafft. Während ich auf Papa wechsle, ist aus dem starken Wind ein faustdicker Sturm geworden. Schon seit mehreren Stunden ringen währenddessen die Organisatoren um Frank Meutzner und die Rohnspitzler um den Erhalt des Startzeltes. Schnell eile ich auf die andere Seite der Bundesstraße ins Gebäude der ehemaligen Zollgrenzanlage Zinnwald, während Papa in die Tiefen des Waldes verschwindet.

„Um 5.00 Uhr bin ich wieder dran“ rechne ich mir aus. „Puh, jetzt heißt’s Zähne zusammen beißen. Noch drei Mal zwei Runden muss jeder von uns fahren.“ Meine liebe Freundin bereitet zum letzten Mal meinen Ski vor, übrigens immer nur mit Flüssigwachs und inzwischen dem weicheren violett VR 50 von Swix. Ich esse, ruhe .. . „Wer poltert jetzt in die Halle rein, während ich so schön meine Wunden lecke?“ „Das Startzelt wird abgebaut!“ tönt es wie im Militär. „Dort liegen jetzt meine Stöcke, aber Papa ist ja auch erst in knapp 30 Minuten wieder da. Es ist so schön hier. Muss ich die da jetzt wegholen? Gut sind sie ja und teuer waren sie auch …“ Dann rüttelt mich ein aufgeweckter Mitstreiter auf. „Der Wettkampf ist abgeblasen. Es blitzt und donnert.“ Ich will es nicht glauben und ziehe mich mechanisch an, um meine Stöcke zu holen. Ein ausgewachsener Sturm empfängt mich. Fast ein bisschen fühle ich mich an eine unserer Skitouren durch Skandinavien erinnert. Es fühlte sich aberwitziger Weise gut an. Gut fühlte sich auch das erste Bier an nach einer kräftigen Umarmung mit Papa. Gesehen haben wir uns zwar nur beim Wechsel, aber funktioniert haben wir wie ein Uhrwerk. Profitiert habe ich zweifelsohne von seiner stoischen Ruhe und Erfahrung. Herausgekommen ist ein schöner dritter Platz, nach etwa insgesamt etwa 250 Kilometer auf Skis und 41 Runden um die Scharspitze.
Danke an die Organisatoren um die Rohnspitzler und den Zinnwalder Skiverein. Schön war’s – wir kommen gern wieder!

Euer Micha vom Globetrotter 2.0 Team